Carlo ZINELLI (1916, San Giovanni Lupatoto bis 1974, Verona)

Neben einigen Skulpturen, die Ende der 1950er Jahre entstanden, schuf Carlo Zinelli hauptsächlich Gouachen. Sein Werkkörper besteht aus fast 3’000 beidseitig bearbeiteten Blättern, gestaltet aus Schattenrissen stilisierter Menschen und Tiere. Zwischenräume versah der Analphabet mit geometrischen Details und Buchstaben, die er lediglich als graphische Elemente in seine Bilder aufnahm. Zinelli berücksichtigte weder reale Größenverhältnisse noch Perspektiven, seine Figuren scheinen im Raum zu schweben. Erfahrungen aus der Vergangenheit manifestieren sich in seiner Arbeit; so zum Beispiel verweist die Darstellung von Soldaten auf die Teilnahme als Freiwilliger im Spanischen Bürgerkrieg. Zinelli richtete sein Leben nach der Zahl vier aus, was in seine Kunst einfloss, viele Motive wiederholte er vier Mal.

 

Zinelli wurde als Sohn eines Schreiners geboren und verlor seine Mutter im  Alter von zwei Jahren. Der Analphabet arbeitete bereits mit neun Jahren auf einem Bauernhof. Ab 1934 war er in einem Schlachthof beschäftigt, in dieser Zeit begann er sich künstlerisch zu betätigen. Nach zwei Monaten als Freiwilliger im Spanischen Bürgerkrieg wurde er aus gesundheitlichen Gründen entlassen. Von 1941 bis 1947 wechselte sein Leben zwischen Aufenthalten in Psychiatrien und Perioden der Arbeit, bis er schlussendlich dauerhaft in das Krankenhaus San Giacomo in Verona eingewiesen wurde. Dort zeichnete er zunächst auf dem Boden und schuf Ritzbilder auf den Wänden. 1957 wurde er in die von Michael Noble und Mario Marini gegründete Grafikwerkstatt aufgenommen, wo er in den nächsten vierzehn Jahren fast 3000 Bilder produzierte. Nachdem Carlo 1969 in ein Krankenhaus in Marzana übersiedelt wurde, litt sein Schaffensdrang, er malte jedoch noch bis 1973. Seine Bilder befinden sich etwa in der Collection de l´Art Brut in Lausanne, der abcd Collection, Montreuil oder in der Petullo Collection, Milwaukee.