michel NEDJAR (1947)

Der Sohn eines jüdischen Schneiders aus Algerien und einer Polin absolviert eine Schneiderlehre und begibt sich Ende der sechziger Jahre auf mehrere Reisen, die ihn unter anderem nach Mexiko und Guatemala führen, wo ihn Puppen faszinieren, die er auf den dortigen Märkten entdeckt. Nach seiner Rückkehr 1976 entstehen Nedjars erste eigene "Poupées", Fetisch-Figuren aus Lumpen, Zweigen, Sackleinen und anderem Abfall, getränkt in Schmutz und Blut. Später gestaltet er Figurenreliefs mit Bezügen zum Holocaust.1980 beginnt Nedjar zu zeichnen, oft in der Nacht. Rasch fertigt er Serien an Bildern auf gefundenen Materialien wie Briefumschlägen, Tapeten oder Rückseiten alter Plattenhüllen. Diese zeigen hauptsächlich Gesichter, Körper oder Tiere – häufig Vögel – oft auch ineinander verschlungen oder übereinander; in ihren archaischen Farben und Formen erinnern sie an steinzeitliche Parietalkunst. 1980 lernt Jean Dubuffet die Werke Nedjars kennen und erwirbt einige seiner Puppen und Zeichnungen für die Collection de l` Art Brut in Lausanne.