miroslav TICHý (1926 bis 2011)

Geradezu obsessiv gab Miroslav Tichý unaufhörlich sein ewiges Objekt der Begierde wieder: die Frau. Auf skizzenhaften Zeichnungen erscheinen sie als posierende Pin-up-Girls, die aufreizenden Körperpartien überbetont. Seine voyeuristischen Schnappschüsse stellen Frauen in Alltagssituationen dar: auf Straßen, Märkten, in Parks oder Schwimmbädern. Er konstruierte seine Kameras aus Abfällen wie ausgedienten Brillen, Konservendosen oder Gummibändern und schuf damit traumhaft poetische Bilder mit einer besonderen "Ästhetik des Unvollkommenen". Tichý versah viele seiner Fotos mit selbst angefertigten Rahmen aus Pappe oder bearbeitete sie im Nachhinein mit Bleistift.

 

Der Tscheche besuchte in den 1940er Jahren die Kunstakademie in Prag. Nach der Machtübernahme durch die Kommunisten verbrachte er als Gegner des Systems acht Jahre abwechselnd in Gefängnissen und psychiatrischen Einrichtungen. Anschließend zog er sich in seine Heimatstadt Kyjov zurück, wo er bis zu seinem Tod ein isoliertes Leben führte. In den 1960er Jahren begann er damit, aus Wegwerfmaterialien Kameras zu bauen, mit denen er Fotografien von Frauen aus seiner Umgebung anfertigte. Tichýs Aufnahmen wurden unter anderem im Museum für moderne Kunst in Frankfurt, im International Center of Photography in New York oder im Centre Pompidou – Musée National d´Art Moderne in Paris gezeigt.