friedrich SCHRöDER-SONNENSTERN (1892 bis 1982)

Die Kunstwerke von Friedrich Schröder-Sonnenstern dokumentieren die persönliche Weltanschauung des radikalen Gesellschaftskritikers. Seine sogenannte "Mondwelt" – die als Analogie zu unserer Welt verstanden werden kann – wird Schauplatz moralischer Verfehlungen. Die sinnlichen Bildwelten sind von Gegensätzlichkeit wie Gut-Böse, Anziehung-Abstoßung, Herrschen-Beherrschtwerden geprägt. Sie zeigen (alp)traumhafte Kreaturen, Zwitterwesen – halb Tier, halb Mensch – mit überdimensionierten Brüsten, Penissen und Hinterbacken. Ein groteskes Kuriosum seiner Protagonisten stellen Nase, Kinn und Ohren dar, die er als männliche Geschlechtsmerkmale definiert. Schröder-Sonnenstern arbeitete mit Bleistift und Farbstiften auf Papier oder Kartons, später verwendete er selbst hergestellte Schablonen. Der Künstler versah seine Bilder häufig mit einer schriftlichen Anmerkung am Rand des Blattes.

 

Friedrich Schröder-Sonnenstern wurde bei Tilsit im damaligen Ostpreußen geboren. Seine Jugend war geprägt von mehreren Aufenthalten in Erziehungsanstalten. Er führte ein Leben als Landstreicher, wurde immer wieder in Psychiatrien eingewiesen. In den 1920er Jahren erlangte er in Berlin als Führer einer religiös-mystischen Sekte unter dem Namen "Sonnenkönig Eliot der Erste" Bekanntheit. Erst im Alter von 57 Jahren begann er zu zeichnen, anfänglich Illustrationen seiner Gedichte und kurzen Texte. Bis 1958 entstanden über 100 großformatige Bilder. Danach begann er, mit Hilfe von selbst gefertigten Schablonen auf Kartons zu arbeiten. Seine Blätter gehören unter anderem zu den Sammlungen von George Pompidou, Paris, dem Museum Charlotte Zander in Bönnigheim oder des Israel Museum in Jerusalem.