oswald TSCHIRTNER (1920, Perchtoldsdorf, Niederösterreich bis 2007, Maria Gugging, Niederösterreich)

Oswald Tschirtner wurde von Leo Navratil zum Zeichnen animiert und entwickelte eine vollkommen eigenständige Formensprache. Bekannt wurde er durch seine "Kopffüßler": schmale, reduzierte Figuren ohne Rumpf. Innerhalb der fast 40-jährigen Periode seines künstlerischen Schaffens kann man stilistische Unterschiede erkennen: In den Frühwerken (1970er Jahre) sind die Extremitäten noch einzeln dargestellt, im Laufe der Zeit verdichten sie sich zu von der Seite dargestellten Körpern mit Schulteransatz und Arm. Tschirtner verbildlichte auch Gegenstände oder Begriffe in minimalistischer Weise. So können ein paar einzelne Striche Landschaften, Regen oder Frieden darstellen. Beeindruckend sind auch seine Portraits, die anhand weniger, präzis gesetzter Linien den Charakter des Dargestellten einfangen. Tschirtner arbeitete auf postkartengroßem Papier gleichermaßen wie auf Leinwänden oder Hausfassaden und verwendete – je nach Dimension – Feder und Tusche, Edding oder Acrylfarbe. 1990 erhielt Oswald Tschirtner mit der Gruppe der Künstler aus Gugging den Oskar-Kokoschka-Preis.

Er ist mit seinen Werken in der Sammlung des Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig, Wien, der Collection de l’Art Brut, Lausanne, der Sammlung Helmut Zambo und der Sammlung des Museum of Outsider Art, Moskau, vertreten.

 

Nach dem Besuch des Gymnasiums strebte Oswald Tschirtner ein Studium der Theologie an, was während des Krieges jedoch nicht möglich war. Er entschied sich für ein Chemiestudium, wurde jedoch bald eingezogen und geriet in französische Gefangenschaft. 1946, während seiner Heimreise, traten erstmals seelische Störungen auf, was dazu führte, dass er ab 1947 permanent in Psychiatrien lebte. 1954 kam er in die ehemalige Landesnervenklinik Gugging. Von 1981 bis zu seinem Tod lebte und arbeitete er im Haus der Künstler in Maria Gugging.