VORSCHAU: "...chaotisch! - alfred neumayr & arnold schmidt

 

„chaotisch: verworren, ungeordnet; nicht willens oder nicht fähig Ordnung zu halten.“

Deutscher Duden

 

Gegensätze ziehen sich bekanntlich an. Mit diesem Gedanken wollen wir zum Jahresauftakt „….chaotisch!“ - alfred neumayr & arnold schmidt präsentieren. Möglicherweise hat man einen Eindruck des Chaos, wenn man die Werke dieser beiden Künstler betrachtet. Auf den ersten Blick haben Alfred Neumayrs und Arnold Schmidts Bilder nichts Gemeinsames, vielleicht auch nicht auf den zweiten Blick, aber bei näherer Betrachtung jedoch scheint man ein gemeinsames System zu erkennen: in dem scheinbar Chaotischen ist ein gewisses Maß an versuchter Ordnung und Harmonie zu finden. Ein Widerspruch?

 

„In jedem Chaos ist ein Kosmos, in jeder Unordnung eine geheime Ordnung”

C. G. Jung

 

„Ich frage mich: was ist chaotisch? Chaotische Ordnung? Ich bin schon ganz chaotisch verwirrt!!“                       Alfred Neumayr

 

 

Das Wichtigste sei Alfred Neumayr, der seit 2011 täglich das offene atelier gugging besucht, in erster Linie die Beschäftigung, wie er selbst sagt. Der gelernte Offsetdrucker begann 2005 nach Ermutigung eines Freundes die ersten Acrylbilder zu malen. Im offenen Atelier in Gugging setzte der gebürtige Tullner seine Malerei in Acryl fort. Relativ bald nach seinen ersten Besuchen in Gugging fing er jedoch an mit verschiedenen Federn und Tuschen zu experimentieren. Allmählich wuchs sein Interesse am Zeichnen, die Linien wurden immer feiner, die Formate immer größer, der Zeitaufwand immer länger. Vor allem das Material spielt eine wichtige Rolle. Als Grundgerüst verwendet er verschiedene Leinwände oder Kartons, eher selten kommt Papier zum Einsatz. Im Laufe der Zeit entwickelt Neumayr seine ganz eigene Technik. Er bringt auf, kratzt ab, arbeitet farbige Tusche oder Bleistift mit ein, verdünnt oder vermischt. Dabei entstehen Bilder, die an geologische Formationen, Phantasiewelten oder Fabelwesen erinnern. Unterstrichen werden diese meist durch einfallsreiche Titel. Die diffuse Darstellungsweise erlaubt viel Raum für Assoziation und Interpretation. Ob auf der Drawing Now in Paris, der Collection de l’Art Brut in Lausanne oder den Räumlichkeiten der galerie gugging, erfreuen sich seine Bilder großer Aufmerksamkeit.

 

 

„Chaotisch: Durcheinander, Einbildung, Schauplatz, Insel, Bär, Wasser, Dienstag!“

Arnold Schmidt

 

Im Gegensatz zu Neumayrs kleinteiligen Arbeiten, ist den Werken von Arnold Schmidt die pure Energie anzusehen. Sein Strich erscheint schnell, fast ungeduldig. Seit 1986 lebt „Andi“ im Haus der Künstler. Die ankommenden Mitarbeiter und Besucher begrüßt er jeden Tag mit einem frischen „Guten Morgen“ und mit der Frage, ob er behilflich sein kann. Schmidts Arbeiten bestechen durch ihren expressiven Charakter. Die Frohnatur beginnt mit einem einfachen Kreis und zaubert daraus allerlei Figuren, Vögel, Fahrräder oder Flugzeuge. Bei der Formatwahl setzt sich der Künstler keinerlei Grenzen. Mit Hilfe von Ölkreide, Bleistift oder Acryl entwickelt er ein dichtes Gefüge von Linien auf Leinwand oder Papier, das auf den Betrachter eine große Sogwirkung ausübt. Mit schnellem, dynamischen Strich stellt er zuerst mit Wachskreide das Motiv dar und übermalt es anschließend mit Aquarellfarben. Dabei kann es schon einmal passieren, dass durch das feste Aufdrücken der Farben ein Werk perforiert. Auch „Andi“ ist regelmäßiger Besucher des offenen Ateliers in Gugging und arbeitet in unmittelbarer Nähe von Alfred Neumayr. Seine Werke sind in vielen privaten und öffentlichen Sammlungen, wie der Sammlung Hannah Rieger oder der Niederösterreichischen Landessammlung St. Pölten, zu finden.

 

Diese Ausstellung gibt Einblicke in das vielseitige Œuvre der beiden Künstler von den Anfängen bis heute und gibt Besuchern die Möglichkeit noch nie gezeigte Werke erstmals kennenzulernen.

 

Während dieser Ausstellung feiern wir mit Alfred Neumayr im März seinen 60. Geburtstag und in seiner Heimatstadt Tulln wird vom 30. Oktober bis 25. November 2018 im Minoritenkloster eine ihm gewidmete Einzelausstellung gezeigt werden.