2017: mehr als einen vogel - 25 jahre künstlerfreundschaft birdman und jens mohr

"Der beste Weg, einen Freund zu haben, ist der, selbst einer zu sein.“

 

Dieses Zitat von Ralph Waldo Emerson erscheint uns in Bezug auf die Freundschaft von birdman Hans Langner und Jens Mohr als sehr passend.

 

Alles begann im Jahre 1992, als birdman Hans Langner einen Atelierplatz in Bonn, Deutschland, zu vergeben hatte. Der Erste, der sich auf die Annonce meldete, war Jens Mohr. Sie waren sich von Anfang an sympathisch und inspirieren sich bis heute gegenseitig. Das Atelier war eine frühere Backstube, in der die beiden Künstler Utensilien aller Art verarbeiteten und gemeinsame Kunstwerke schafften, die sich heute im Museum Dr. Guislain, Belgien, befinden. Bereits nach zwei Jahren wurde das gemeinsame Atelier aufgelöst, da sich birdman entschied, nach Hong Kong zu ziehen; der Kontakt blieb aber fortan bestehen und die beiden verloren sich nicht aus den Augen.

 

Die galerie gugging widmet nun den Künstlerfreunden 25 Jahre nach ihrer ersten Begegnung eine eigene Ausstellung, die erste dieser Art. Auf Malta haben die beiden Künstlerfreunde den Titel der Ausstellung „mehr als einen vogel - 25 Jahre künstlerfreundschaft birdman und jens mohr“ kreiert. Er bezieht sich mit einem Augenzwinkern auf das Vogel-Motiv, das für beide ein künstlerisches Thema ist, aber auch auf ihren „Schaffensdrang“, der nicht zu bändigen ist, wenn sie gemeinsam auf der ganzen Welt arbeiten. Gerade das gemeinschaftliche Arbeiten an den verschiedensten Orten und die Harmoniebedürftigkeit verbinden und lösen diesen regelrechten Schaffensdrang aus, um es in den Worten des birdman zu beschreiben: „Es ist Erfüllung, ein Sog! Oft arbeiten wir den ganzen Tag, manchmal 12, 14 Stunden und machen nichts anderes. Wir bereichern, befruchten und ergänzen uns sehr gut.“

 

Unter dem Titel „Schaffensdrang“ wird es auch von 27. November bis 2. Dezember 2017 im birdman Atelier die Möglichkeit geben, dem Schaffensprozess der beiden Künstler beizuwohnen und sich inspirieren zu lassen. 

Die Ausstellung, die gemeinsam mit den Künstlern aufgebaut wird, zeigt das umfassende Œuvre der beiden, wobei die Übereinstimmung und Überschneidung ihrer Arbeitsweise wesentlich ist. Sie arbeiten mit Gefundenem, Gesammeltem, einfach mit dem, was da ist, und schaffen aus der Fülle heraus. Sie lassen sich nicht vom Zeitgeschehen leiten. Jeglicher Gegenstand ist potenzielles Material und soll und darf transformiert werden. Das bereits Gegebene, ein fertiges Kunstwerk oder ein Alltagsgegenstand, wird in etwas Neues verwandelt. Die Bestrebung dabei ist es, die Essenz des Bildes bzw. des Objekts noch mehr hervorzuheben, es noch schöner und kostbarer wirken zu lassen. Miteinander gemein haben sie außerdem, dass ihre Kunst spontan und ohne Entwürfe oder Skizzen entsteht. Ähnlich intuitiv arbeiten sie an ihrer „Instant Art“, wie sie ihre Sofortkunst nennen, die meist vor Publikum praktiziert wird.

 

Trotz alledem darf nicht außer Acht gelassen werden, dass die beiden eigenständige Künstler sind und auch unabhängig voneinander tätig sind. Birdman Hans Langner arbeitet seit 2015 fast ausschließlich an der Übermalung von Tapisserien und Gobelins, die immer dichter, goldener, üppiger, ja fast schon „barock“ werden. Dabei werden die unsichtbaren Vögel, die darin verborgen sind, sichtbar gemacht, indem der Hintergrund bemalt wird. Einen weiteren Schwerpunkt setzt der Künstler auf die Übermalung und Überarbeitung religiöser Kunst mit einer Botschaft: Liebe. In erster Linie widmet er sein Schaffen der Schönheit und Ästhetik; er lebt und arbeitet auch nach diesem Credo.

 

Jens Mohr auf der anderen Seite zaubert aus vermeintlich Nutzlosem skurril humorvolle Wesen aus Fundstücken und Gebrauchsgegenständen aller Art. Seine Objekte sind vordergründig ohne Botschaft und leben von der Verbindung von Gegensätzen, indem er beispielsweise für eher „weichere“, anschmiegsamere Tiere eisernes, kaltes Material verwendet. Sie dürfen frei von Gedankenlast existieren, wie es das Privileg der Tiere im Allgemeinen zu sein scheint. Bei differenzierter Betrachtung mischen sich bei seinen Charakteren menschliche und tierische Züge. Über die besondere Freundschaft zu  birdman Hans Langner sagt Jens Mohr: „Das Außergewöhnliche an uns ist, dass wir auf vielen Ebenen zusammen und nicht nebeneinanderher arbeiten und das ist selten.“

 

Den Besucher der Ausstellung „mehr als einen vogel - 25 jahre künstlerfreundschaft birdman und jens mohr“ erwartet eine interessante Mischung von birdman Hans Langner's Werken, die von Gobelins und goldenen, üppigen Wandobjekten bis hin zu mit Tusche gefertigten "Black Birds" reicht, und auf erfrischend originell gestaltete Assemblagen von Jens Mohr, wie zum Beispiel die „Schafherde“ oder „Ente“.

 

Wir wünschen viel Freude mit der Ausstellung, dem neuen Katalog und freuen uns auf Ihren Besuch!